"Komm" mit Schleppleine

 

Das Training mit der Schleppleine

 

Die Otterhound Welpen und Junghunde möchte ich noch einmal das Training mit der Schleppleine ans Herz legen, denn der wichtigste Befehl, damit ein Hund frei laufen darf, ist nun mal das „KOMM !“.
Weil Ihre Nasen ausgesprochen gut funktionieren, kommt es vor, dass die Vierbeiner nun vom rechten Weg abkommen. Sie folgen den Düften der Natur - und überhören Kommandos.
Auch bei anderen Rassen ist es nichts Ungewöhnliches: Kaum ist der Hund der Babyzeit entwachsen, in der er uns auf Schritt und Tritt folgte, wird für ihn erst einmal alles wichtiger als wir oder gar unsere Kommandos. Jeder Vogel, jeder Geruch, jeder andere Hund ist interessanter als das, was wir ihm zu sagen haben, falls er unsere Stimme überhaupt noch wahrnimmt…

In solchen Fällen ist die Schleppleine ein wunderbares Hilfsmittel, um den Hund auch aus einiger Distanz daran zu erinnern, was das Kommando "Komm!" eigentlich bedeutet. Sie wirkt fabelhaft als ein auf fünf, zehn oder fünfzehn Meter verlängerbarer Arm. "Ein Jahr Schleppleine sichert dem Hund zehn Jahre Freilauf", sagt der Verhaltensforscher Günther Bloch. Das Kommando lässt sich einfach und effektiv durchsetzen, man "erwischt" den Hund noch auf größere Distanz, wenn er unsere Rufe ignoriert (am liebsten in der Pubertät), herumliegende Gruseldinge frisst, Wild ( oder Joggern ? ) nachjagt oder andere Hunde ins Auge fasst. Die Schleppleine hilft dabei, die Aufmerksamkeit des Hundes wieder auf seinen Menschen, zu lenken, und wenn dies nicht genügt, auch den Befehl durchzusetzen.
 

 

Wie bei jedem Hilfsmittel gibt es glühende Anhänger der Schleppleine und andere, die das Ding für Teufelswerk halten. Letztere haben meist Probleme mit der Technik - und natürlich bedarf es etwas Übung mit der langen Leine -, starten Sie daher besser mit einem kürzeren Modell, auch in diesem werden sie sich ein paar mal verheddern.
An sich ist die Schleppleine nichts anderes als eine verlängerte Führleine von normalerweise zehn bis fünfzehn Metern (bei einer 20-Meter-Leine wird es für den Hundehalter schwierig, sich selbst, Hund und Leine noch zu koordinieren). Sie wird an einem gut sitzenden Brustgeschirr am Hund befestigt - das ist besser als am Halsband, damit der Hund in dem Moment, in dem man mit der Leine wirklich eingreifen muss, ihn nicht an den Halswirbeln verletzt, und selbstverständlich niemals an einem Halti !!! ( Diese Kombination kann dem Hund tatsächlich das Genick brechen!)

 


Die Schleppleine schleift normalerweise am Boden hinter dem Hund her. Daher sollte die Schleppleine keine Handschlaufe haben oder mit Metallringen versehen sein, durch die der Hund auf seinem Lauf an Büschen, Wurzeln oder Ästen hängen bleiben könnte. Der Hundehalter seinerseits braucht bei der Arbeit mit der Schleppleine festes Schuhwerk, um wenn nötig auf die Leine treten zu können. Beim Durchrutschen der Leine durch die Hand können scheußliche Brandverletzungen entstehen, daher sollte die Leine mit dem Fuß gestoppt werden. Empfehlenswert ist es, die Schleppleine eher ohne Handkontakt schleifen zu lassen. Sollten Sie es doch vorziehen, die Leine in der Hand zu behalten, tragen Sie auf jeden Fall Handschuhe !!!!

 

Die Grundregeln des "Komm" sollte der Hund bereits kennen - "Komm!" rufen und wenn das Hündchen angewackelt kommt, folgt "Hurra! Eine Belohnung!", bevor man mit Schleppleine in einer möglichst ruhigen Umgebung mit wenig Ablenkungen zu üben beginnt. Anfangs arbeitet man mit der Schleppleine in der Hand, verkürzt auf etwa vier Meter (unbedingt mit Handschuhen arbeiten!). Wenn Sie später mit der ganz langen Leine arbeiten, sollten Sie diese nicht mehr in die Hand nehmen, weil man schon sehr standfest sein muß, um einen Otterhound aus dem Lauf zu stoppen.

 
 
 

 

So sieht das Training aus:

 

 

(Entnommen aus einem Artikel von Katharina von der Leyen)

Der Hund schnüffelt also herum und kümmert sich wenig um seinen Menschen, bis er plötzlich "Bello, hier lang!" hört und der Mensch die Richtung wechselt. Wenn Bello gleich mitkommt, wird er im Weitergehen gelobt, bekommt vielleicht sogar einen Keks, und dann wird der Richtungswechsel gleich noch mal geübt. Sobald der Hund seinen Menschen ansieht - also zu seinem Menschen Kontakt aufnimmt -, wird er wieder gelobt. "Jedesmal wenn der Hund mich überholt, wechsle ich sofort die Richtung", so Peggau. Nach ganz kurzer Zeit wird der Hund sehr viel besser darauf achten, wo sein Mensch eigentlich hinläuft. Dann kann man die Leine weiter verlängern.

Kommt aber ein Moment, in dem der Hund nicht gleich reagiert, weil er beispielsweise zu konzentriert an einer Stelle schnüffelt oder wie festgewachsen stehenbleibt, weil er einen anderen Hund nahen sieht, wird ohne erhobene Stimme wieder gerufen, während gleichzeitig ein Leinenimpuls erfolgt. Dieser Impuls sollte sehr sanft sein! Es bedeutet eben nicht, dass man an der Leine ruckt, zerrt oder reißt, sondern sie kurz aufnimmt und leicht "schüttelt", so dass der Hund die Leinenbewegung spürt. Für ihn soll das Gefühl irritierend sein, damit er abgelenkt wird vom Objekt seines Interesses.

Wenn das ganz gut klappt, fangen wir an, den Richtungswechsel ohne Ankündigung zu üben: Wir gehen nach links, machen unvermutet kehrt, ändern erneut die Richtung und gehen nach rechts. Der Hund wird sich in der Folge schnell auf seinen Menschen konzentrieren. Täte er das nicht, würde er ständig hinterherhoppeln - das macht ihm keinen Spaß. Wichtig bei der Übung: Es ist niemals unangenehm, wenn der Hund sich seinem Menschen zuwendet. An dieser Stelle wird er immer gelobt. Bei konsequenter Durchführung dieser Übung suchen die meisten Vierbeiner mit der Zeit von ganz allein den Blickkontakt mit ihren Besitzern, sobald ihnen ein verlockender Außenreiz begegnet.

Während der gesamten Trainingsperiode, in der man mit der Schleppleine noch arbeitet, geht man auf wirklich jedem Spaziergang mit dem Hund an dieser Leine - richtigen Freilauf gibt es nicht, bis der Rückruf zuverlässig klappt. Und keine Sorge: Ihr Hund kann trotzdem spielen. Er wird sich mit der Zeit so an die Schleppleine gewöhnen, dass er sie kaum noch spürt. Nur wenn Sie feststellen, dass das Training mit der Schleppleine gefährlich nach Fesselungsmanövern aussieht, leinen Sie die Leine zum Spielen ab.

Hat man allerdings einen Hund, der aus der Erregung heraus unerwünschtes Verhalten zeigt, Jogger, Fahrradfahrer oder gar Wild jagt, ist es meist unmöglich, ihn durch ein "Nein!" davon abzubringen. Mithilfe der Schleppleine kann man den Hund sehr wirkungsvoll daran erinnern, was man mit dem "Nein" meinte: An dieser Stelle setzt die "anonyme Korrektur" ein. Dem Hund wird erst per Ansprache ("Nein!", "Komm hierher!") die Möglichkeit gegeben, sich an uns zu orientieren. Dann tritt man auf die Leine, um den Hund zu stoppen.

"Das Verhalten wird somit von außen abgebrochen, aber der Hund verbindet die Korrektur mit der Leine nicht unmittelbar mit seinem Menschen", erklärt Frank Peggau. "Hunde sind Spezialisten im Lesen von Körpersprache, aber für gewöhnlich arbeiten wir beim Training nicht mit den Füßen. Der Hund läuft los, ich sage Hier!, der Hund kümmert sich nicht, ich stelle den Fuß auf die Leine, der Hund läuft in das Stopp und wundert sich. Sofort hocke ich mich hin, rufe noch einmal Hier!, lobe ihn, wenn er gleich kommt. Entschließt er sich dagegen, zupfe ich an der Leine." Dabei wird nie gezogen, eher impulsartig geruckelt - es geht hier nämlich nicht um Strafe oder Körperkraft!

Im Laufe der Zeit, je besser der Hund auf den Menschen achtet, wird die Schleppleine immer um ein kleines Stück gekürzt, bis sie, einem Placebo ähnlich, nur noch als kurzes Stück am Hund hängt. Bei den meisten Hunden dauert ein zuverlässig wirkendes Training mit der Schleppleine übrigens etwa ein Jahr. Ja, das kommt einem lang vor, aber im Verhältnis zu den zwölf, fünfzehn Jahren, die man mit dem gut erzogenen Hund hat, ist es wenig.

Das zur Theorie, vielleicht probiert ihr es ja einfach mal !

Und als kleiner Trost - nach meinen Erfahrungen reichen etwa 6 - 8 Monate, wobei ich auch erst ab einem Alter von 5 Monaten das Training mit der Schleppleine begonnen habe. Zugegebener weise nervt es, immer eine sandige, dreckige Leine dabeizuhaben, sich dusselige Sprüche anhören zu müssen, eigene und fremde Hunde immer mal entwirren zu müssen. Auch hat mich mein losstürmender Hund schon mal umgerissen, weil der mir die Schleppleine zuvor um die Beine gewickelt hat, dennoch bin ich überzeugt, dass sich die Mühe lohnt. Denn auch ein Otterhound kann zuverlässig dem Befehl „Komm“ gehorchen und dann macht der Spaziergang doch gleich viel mehr Freude, denn das Spazierengehen an der normalen Leine, kann mit einem Otterhound auch ganz schön anstrengend sein. Da er ja gerne mit seiner Nase beschäftigt ist und sein Grundtempo normalerweise eher einem langsamen Joggen entspricht ist dies der zweite schwierige Erziehungsauftrag, wenn man einen kleinen Otti hat. Doch dazu schreiben wir an anderer Stelle etwas…

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Last Update 30.07.2017
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